22.03.2010 |
Enorme Fortschritte in der MKG-Chirurgie
Die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie ist die medizinische Disziplin, die sich mit allen Strukturen und Funktionen des Gesichtes in Diagnostik und Therapie befasst, so Univ.-Prof. DDr. Michael Rasse, Vorst. d. Univ.-Klin. f. MKG-Chirurgie, Innsbruck. Im Vorfeld des Jahreskongresses der MKG-Chirurgen, der von 27.–30. Jänner in Bad Gastein stattfand, erzählten der Kongresspräsident Prim. Univ.-Doz. DDr. Oliver Ploder, Feldkirch, und seine Kollegen über diese faszinierende medizinische Disziplin und deren rekonstruierendes Potenzial.
Das Gesicht – Instrument der Kommunikation
Die MKG-Chirurgie beschäftigt sich mit allen Strukturen des Gesichts. Bei angeborenen und erworbenen Erkrankungen oder altersbedingten Veränderungen werden Skelett und Stützgewebe als Gerüst des Gehirn- und Gesichtsschädels, Muskulatur, Weichgewebe und die Haut beurteilt und therapiert. Oft liegen ästhetischen Problemen komplexe Struktur- und Funktionsprobleme zugrunde.
So kann als Beispiel eine den Patienten störende prominente Nase ein viel umfassenderes skelettales Problem als Ursache haben. Ein vorverlagertes Mittelgesicht und zurückweichendes unteres Gesichtsdrittel können zugrunde liegen. Gleichzeitig besteht oft eine Disharmonie des Gebisses. Die Fehlbeziehung zwischen Ober- und Unterkiefer kann sowohl skelettaler als auch zahnbezogener Art sein. Nur eine Analyse aller Aspekte (mit Vermessung von fotografischen und Röntgenaufnahmen, eventuellen 3-D-Analysen und Simulation von Lösungen) kann eine korrekte Entscheidungshilfe bieten, berichtete Prof. Rasse.
Prof. Dr. Ingeborg Watzke, Leiterin des Inst. f. Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie & Zahnheilkunde im Donauspital Wien, erwähnte eine Studie, in der versucht wurde, das Verhalten der potenziellen Patienten zu analysieren. Das Ergebnis dieser Untersuchung bestätigte die Erfahrungen insofern, als Betroffene selbst bei stark entstellenden Wachstumsstörungen tatsächlich jahrelang warten, ehe sie ärztliche Hilfe aufsuchen.
Innovationen in der Traumachirurgie
Wie Prim. Univ.-Doz. DDr. Oliver Ploder, Leiter der Abt. f. Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Universitären Lehrkrankenhaus Feldkirch, berichtete, wäre die Behandlung von Unfallopfern mit Verletzungen im Gesichtsbereich ohne moderne MKG-Chirurgie heute kaum mehr vorstellbar. Mit einigem Stolz kann man sagen, dass Österreich auf diesem Sektor im Spitzenfeld liegt – nicht nur im europäischen Vergleich, sondern auch verglichen etwa mit den USA.
Einen der größten Fortschritte stellt die minimal-invasive Chirurgie dar. Neben dem Wegfall entstellender Narben verringert man mit diesem Verfahren die potenzielle Verletzung von Gesichtsnerven.
Wo früher Titanplatten nicht nur ein deutlich störendes Fremdkörpergefühl verursachten, sondern auch einen zweiten Eingriff zur Entfernung der Metallteile nötig machten, arbeitet man heute zunehmend mit resorbierbaren Materialien, sogenannten „Zuckerplatten“ aus Glykosid-Polylactiden. Eine Technik, die bei Knochenbrüchen am Augenhöhlenrand oder bei Kindern immer mehr zum Standard wird.
Ein bedeutender Innovationsschritt ist nicht zuletzt die 3-D-Visualisierung der Operationsregion, wodurch vor dem eigentlichen Eingriff das Ergebnis der geplanten Maßnahmen beurteilt werden kann. Eine Art Panoramaröntgen ermöglicht im Schichtröntgenverfahren binnen 2–3 Minuten die 3-dimensionale Darstellung der individuellen anatomischen Verhältnisse. Diese können farblich differenziert und sogar segmentiert werden. Das Verfahren nennt sich digitale Volumentomografie (DVT). Für das optimale Ergebnis etwa beim Knochenersatz im Gesicht ist die Kenntnis der realen Topografie gemeinsam mit dem Zeitfaktor von entscheidender Bedeutung.

Quelle des Artikels Enorme Fortschritte in der MKG-Chirurgie:
Pressekonferenz der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen anlässlich der Jahrestagung 2010, 21. Jänner 2010, Presseclub Concordia Wien
tra100117
|